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Hilferuf aus Argentinien
Geschrieben von Siebenlist am Montag, 26. August 2013

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Nach Absage des „Heart of Europe“: Chor Musica Quantica sitzt auf knapp 50 000 Euro Ausgaben/ Konzerte sollen Verlust reduzieren 

Main-Kinzig-Kreis [küm). Ein Hilferuf rauscht derzeit durch die europäische Chorszene: Musica Quantica aus Argentinien sucht dringend Auftrittsmöglichkeiten im Raum Gelnhausen. Grund ist der abgesagte Wettbewerb „Heart of Europe". Die Sänger um Chorleiter Camllo Santostefano haben bereits Flüge und Unterkunft gebucht. Diese seien nicht zu stornieren. Sie wollen also unbedingt nach Gelnhausen kommen. Nun suchen sie nach Alternativen. DelicaTon versucht, Konzerte zu organisieren. Aber auch weitere Chorleiter aus der Region bieten ihre Hilfe an. 
Auf inzwischen gut 64000 Dollar, fast 50000 Euro, haben sich die Ausgaben der 27 Musica-Quantica-Sänger und drei ihrer Fans summiert. Allein die Flüge von Buenos Aires nach Frankfurt haben pro Person 1800 Dollar gekostet, die Krankenversicherung, ohne die sie kein Einreisevisum bekommen hätten, weitere 150 Dollar. Camilo Santostefano ist sehr traurig, dass das Festival abgesagt werden musste (die GNZ berichtete). Er macht den Veranstaltern um DelicaTon-Vorsitzenden Raphael Trageser aber keinen Vorwurf. Vielmehr bittet er um ihre Hilfe. Sehr gerne möchte der Chor, eines der renommiertesten Ensembles in Südamerika mit großer internationaler Wettbewerbsgeschichte, Konzerte geben.
Ob auf Spendenbasis oder gegen Eintrittspreis. Denn es gehe nun darum, so wenig Geld wie möglich zu verlieren. Dafür brauchen sie aber die Hilfe der Sänger vor Ort. Denn aus Buenos Aires seien ihnen diesbezüglich die Hände gebunden. Diese Situation sei Raphael Trageser sehr bewusst. „Wir verstehen den Arger der Argentinier sehr gut. Schließlich lag es nicht an ihnen, dass wir das Festival absagen mussten", so der Vorsitzende von DelicaTon. Er plane mindestens ein großes Galakonzert mit den Sängern, denn diese seien selbst für die gesangsbegeisterte und -verwöhnte Region eine Sensation. „Ich habe die 27 jungen Sänger in Baden bei Wien selbst gehört. Sie sind ein absoluter Granatenchor", schwärmt Trageser von Musica Quantica. Für Donnerstag, 15.August, ist die Bergkirche in Niedergründau gebucht. Im Rahmen des dortigen Kultursommers sei ein Galakonzert sehr gut angesiedelt. Außerdem hat ein weiterer gemeldeter „Heart-of-Eu rope"-Chor sein Kommen zugesagt, ein dritter wolle ebenfalls anreisen. „Wir hätten dann ein außerordentlich gut besetztes Konzert mit Musica Quantica und zwei chinesischen Ensembles." Eine weitere Möglichkeit wäre ein Konzert in der Marienkirche, außerdem ist eine Kooperation mit den Sängern aus Usenborn geplant. Diese hatten bereits beim ersten„Herart of Europe" ein tolles Begegnungskonzert veranstaltet. In die Suche nach Alternativen eingeschaltet hat sich auch Hubert Reuter. Auf Anfrage der GNZ bot er an, die Merneser Chornacht am Freitag, 16. August, für den Chor zu öffnen. Er suche bereits nach einem Sponsor, so Reuter. Er sei sich sicher, dass auch spontan im Festzelt einige Unterstützungsaktionen möglich seien. „Das Zelt wird voll sein, mit Sängern aus Bad Soden etwa und von neun weiteren Chören. Da würde ich mich wundern, wenn da nichts geht." Reuter kenne Musica Quantica und deren Qualität. „Die sind ein Weltklassechor. Die können sich in Mernes richtig feiern lassen.“ Er werde sich sehr gerne an einer breit angelegten Aktion für die Argentinier beteiligen. Dabei gehe es nicht nur um die Sänger aus dem von der Weltwirtschaftskrise bedrohten südamerikanischen Land. Es müsse auch ein Imageschaden von der heimischen Region abgewendet werden. „Denn der Hilferuf des Chors findet international Widerhall." So ruft etwa die österreichische Dirigentin Elisabeth Ziegler zur Unterstützung auf. Ihr Chor aus Gumpoldskirchen hat beim ersten „Heart of Europe“ teilgenommen. Auch Ziegler, selbst äußerst erfolgreich bei internationalen Wettbewerben, bezeichnet die Argentinier als „Weltklasse“ - ein Lob, das ihr nur selten über die Lippen kommt und das avisierte hohe Niveau der Neuauflage des „Heart of Europe” unterstreicht. Santostefano schickte Nachrichten an viele europäische Chorleiter mit der Bitte um Hilfe. Dabei macht er den Veranstaltern wenig Vorwurf. „Sie werden ihre Gründe zur Absage haben", schreibt er. Allerdings machte er die Lage für seinen Chor sehr deutlich. „Die Absage ist für uns finanziell ein Desaster", schreibt der Dirigent. Sie sei aber unausweichlich gewesen, sagt Trageser. Auch sein Vorstandskollege Burghard Aul ist davon überzeugt. „Wir haben 4600 Chöre angeschrieben", zeichnet Aul das Vorgehen des Veranstalters nach. Am Ende seien 13 Meldungen eingegangen. „Ganze drei Chöre haben vorab gezahlt. Einer davon ist Musica Quantica", sagt Trageser. Rund 40 Prozent der Kosten habe der argentinische Chor überwiesen. „Hätten alle Gemeldeten eine ähnliche Zahlungsmoral gehabt, hätte unser Festival auf soliden Beinen gestanden." Als Beispiel nennt er einen Chor, der von seine fünfstelligen Unkosten für Teilnahme und Unterkunft bis zum Tag der Absage des Festivals 150 Euro überwiesen hatte. „Das ist die Teilnahmegebühr", sagt Trageser resigniert. „Ich kann nicht wegen ,Heart of Europe' den Chor DelicaTon an die Wand fahren." Dafür hätten die meisten Chöre und auch die Wertungsrichter großes Verständnis aufgebracht. Jetzt gelte es, die gesamte Kraft der Organisatoren für bemerkenswerte Konzerte mit den Sängern aus Südamerika und China zu investieren.

Artikel aus der GNZ vom 02.07.2013
 

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